Satt und reich und dauerhaft - das neue "Schwarze Gold" hilft auch dem Radieschen

Terra Preta schließt den Kreislauf

Terra Preta, das auch „schwarze Erde“ oder „schwarze Gold“ genannte Erdreich, kann das Welternährungsproblem lösen helfen und das Klima stabilisieren. Wie wir seit kurzem wissen, wurde es vor tausenden von Jahren von den Hochkulturen am Amazonas aus Ernteresten und organischen Siedlungsabfällen geschaffen und machte den an sich besonders nährstoff- und humusarmen Boden des Regenwaldes so fruchtbar, dass er noch heute von Archäologen wiedergefunden werden konnte. Die Menschen in Südamerika verstanden den Boden als Organismus, als „Mutter Erde“, die es zu füttern und zu pflegen gilt, weil sie uns ernährt. Ganz anders heute: Viele von uns empfinden den Acker, den Boden, als notwendiges, eher dreckiges Übel, das – noch – als Fundament zur Gewinnung von Nahrung dient. Erste Agrarunternehmen verzichten schon gänzlich auf fruchtbare Böden und ersetzen diese durch Nährlösungen und Schaumstoffmatten in Gewächshäusern. Kohlenstoff wird in diesen "Böden" natürlich nicht  mehr gebunden.

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Terra-Preta-Code endlich geknackt
Inzwischen sind Experten der Überzeugung, dass Terra Preta  nicht nur das Welternährungsproblem lösen, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann – vorausgesetzt, sie ließe sie sich in großen Mengen herstellen. Mit den Hochkulturen Südamerikas ging aber auch deren Wissen um Terra Preta verloren. Jahrelang haben Wissenschaftler nach der zufälligen Entdeckung durch Archäologen versucht, das Geheimnis zu lüften. Ein Forscherteam hat schließlich 2008 den Terra-Preta-Code geknackt und das ursprüngliche Verfahren rekonstruiert.
Die Inhaltsstoffe der Terra Preta sind relativ leicht zu isolieren. Jedoch reicht eine einfache Vermischung nicht aus, um die wertvolle Substanz herzustellen. Entscheidend sind spezifische mikrobiologische Prozesse, die gezielt von Menschenhand eingeleitet werden müssen. Zur Herstellung größerer Mengen Terra Preta sind neben deren Zusammensetzung auch geeignete technische Verfahrensschritte erforderlich, die inzwischen zu Marktreife entwickelt wurden. Von Rheinland-Pfalz ausgehend sollen bald europaweit Werke entstehen, die aus den heute dominierenden überdüngten Agrarwüsten wieder Böden kultivieren, die die Flächenproduktivität erhöhen, Ressourcen schonen, über viele Jahre fruchtbar bleiben und die ökologische Nahrungsmittelproduktion fördern, weil auf Mineraldünger weitgehend verzichtet werden kann: Nährstoffe werden deutlich länger im Boden gehalten und nicht einfach ausgewaschen, neuer Humus wird gebildet. Terra Preta kann deutlich mehr Wasser und – sehr wichtig für die Stabilisierung des Klimas - Kohlenstoff speichern als andere Böden. Durch die Veränderung und Reduktion mikrobiologischer Abbauprozesse wird im Boden weniger organische Biomasse verbraucht und damit auch deutlich weniger Kohlendioxid freigesetzt, so dass dann in einem Hektar Ackerland bis zu 250 Tonnen Kohlenstoff dauerhaft gebunden werden können.