An ihrer Bezeichnung wird bereits klar: Unser historisches Gedächtnis reicht nicht sehr weit. Als konventionelle – herkömmliche, ursprüngliche - oder fossile Energieträger bezeichnen wir heute Öl, Gas und Kohle. Aber die ursprünglich von uns genutzten Energien sind Holz, Wind und Wasser.
Die fossilen Energieträger nutzen wir dagegen erst seit der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sie sind von schweren Bodenschichten begrabene, pflanzliche und tierische Überreste, die bei hohem Druck im Verlauf von hunderten Millionen Jahren entstanden. Nun holen wir dieses Material binnen weniger Jahrzehnte zurück an die Erdoberfläche. Nun nutzen wir den in ihnen enthaltenen Kohlenstoff zur Umwandlung in elektrische Energie oder Wärme – und befördern die Atmosphäre der Erde zügig zurück in die prähistorische Zeit, in der die Zusammensetzung der Gase in der Atmosphäre für ein sehr viel heißeres Klima sorgte. Bei der Verbrennung pro einer sogenannten Steinkohleeinheit werden von Braunkohle 3,25 Tonnen CO2 freigesetzt, bei Steinkohle 2,68 Tonnen, bei Erdöl 2,3 Tonnen und bei Erdgas 1,5 Tonnen. Die weltweiten Reserven sind zudem begrenzt. Sie belaufen sich auf schätzungsweise 200 Jahre für Kohle, 65 Jahre für Erdgas und nur noch 42 Jahre für Erdöl.
Konventionell – unkonventionell – unglaublich teuer
Daher werden nun zunehmend auch die sogenannten unkonventionellen fossilen Energieträger zu nutzen versucht. Diese Energieträger sind schwer zugänglich und nur mittels hoher Investitionen und stark sichtbaren und die Umwelt vergiftenden Eingriffen nutzbar. Zu ihnen zählen Ölsand und Ölschiefer. Beide müssen verflüssigt werden, bevor man sie mit den gleichen Techniken wie das Erdöl weiter verarbeiten kann. Außerdem sind sie stärker mit Schwefel verunreinigt und stellen damit ein noch größeres Umweltrisiko dar.
Wollen wir sie mit der heute zur Verfügung stehenden Technik aus dem Gestein lösen, so sind große Wassermengen beziehungsweise Wasserdampf nötig. Genau genommen brauchen wir zur Bereitstellung dieses Rohstoffs ähnlich viel Energie wie wir gewinnen. Zur Erzeugung eines Kubikmeters Bitumen werden vier bis sechs Kubikmeter Frischwasser benötigt. Die gleich große Abwassermenge ist stark mit Schweröl verunreinigt und stellt daher ein gravierendes Umweltproblem dar.
Neben Ölsand und –schiefer soll künftig auch Methanhydrat genutzt werden, von dem man riesige Vorkommen vor der Westküste der USA vermutet. Es entsteht unter hohem Druck – also ähnlich wie Öl unter der Erde - und bei tiefen Temperaturen im Boden der Tiefsee und weist eine schneeähnliche Konsistenz auf. Bakterien haben hier über mehrere Millionen Jahre Plankton zersetzt. Bei normalen Temperaturen an der Erdoberfläche schwillt der Kubikmeter Methanhydrat auf 170 Kubikmeter Methangas an, was die Fortsetzung der industriellen Ausbeutung der Meere verlockend macht. Doch Methan ist ein zehn mal wirksameres Treibhausgas als Kohlendioxid.
Entscheidend sind für uns und alle genannten mehr oder weniger konventionellen Energieträger zwei Faktoren; sie werden zusätzliche Klimagase in die Atmosphäre freisetzen und sie werden teuer: entweder, weil immer mehr Menschen immer weniger davon finden oder weil es so aufwändig ist, sie uns sicher aus der Tiefsee zu liefern.
Atomspaltung
50 bis 70 Jahre wird der globale Uranvorrat noch reichen, um herkömmliche Reaktoren betreiben zu können. Jeder jetzt noch in diese Technik investierte Euro fehlt beim Ausbau und der weiteren Erforschung der längst vorhandenen emissions- und beinahe risikofreien Regenerativen. Dazu kommt der Müll – 450 Tonnen hochradioaktiven Materials jährlich allein in Deutschland. Bereits heute haben sich hierzulande 5.500 Tonnen hochradioaktive und rund 110.000 m³ schwach- und mittelradioaktive Abfälle angesammelt. Ob diese Materialien über sehr lange Zeiträume gesichert werden können, ist fraglich. Unstrittig ist, dass die Lagerung und die Überwachung des Lagerprozesses Geld kosten wird; viel Geld – und kaum vorstellbar: über tausende von Jahren.