Es ist ein ewiger Kreislauf: Wasser verdunstet über dem Meer und steigt auf, regnet über dem Festland herab, bildet dort Seen und Flüsse, die wiederum in Ozeane münden. Die dabei entstehende Fließgeschwindigkeit treibt Mühlen und Turbinen an, die die Bewegungsenergie des Wassers in Strom umwandeln – und das im großen Stil. Denn, ja, man staunt: Mit einem Anteil von 16 Prozent an der weltweiten Stromproduktion ist die Wasserkraft nach der Biomasse die zweit bedeutendste erneuerbare Energiequelle.
Die Nr. 2 und wichtiger Bestandteil im Energiemix
In Deutschland rangiert die Wasserkraft mit 3,5 Prozent des Brutto-Stromverbrauchs ebenfalls auf Rang zwei unter den Erneuerbaren – nach der Windenergie, die die Wasserkraft im Jahr 2004 von der Spitze verdrängt hat. Vor allem in Süddeutschland gibt es – aufgrund der geografischen Gegebenheiten – einen relativ großen Anteil Wasserkraft-Strom im Energiemix. Die Seen und Flüsse der Mittelgebirge bieten mit entsprechenden Höhendifferenzen und Abflussmengen gute Voraussetzungen für die Wasserkraft. Bundesweit sind derzeit 7.500 Anlagen mit einer Leistung von etwa 4.750 Megawatt (MW) installiert. Im Jahr 2008 haben sie 21,3 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom produziert. Dies entspricht dem Bedarf von sechs Millionen Haushalten.
Der besondere Charme der Wasserkraft: Mit Ihrer Hilfe können große Strommengen gespeichert werden. Sie ist deshalb ein wichtiger Bestandteil im regenerativen Energiemix: Kraftwerke mit einem großen Speicherbecken sind eine wesentliche Ergänzung für Wind- und Solarenergie. Bei viel Wind und/oder Sonnenschein wird der Abfluss (und damit die Turbinenleistung) des Wasserkraftwerks reduziert, und das auflaufende (oder hoch zu pumpende) Wasser füllt den Speicher. Bei Windstille und bedecktem Himmel fließt mehr Wasser aus dem Becken über die Turbinen ab, und der Pegel im Speicherbecken sinkt. Wasserkraft wirkt also ausgleichend und netzstabilisierend. In einem europäischen Verbundnetz ist es denkbar, die großen Speicherkapazitäten in den skandinavischen Ländern oder den Alpenregionen für den deutschen Strommarkt zu nutzen. Das weltweite Potenzial der Wasserkraft ist mit Blick auf die Möglichkeiten, die das Meer bietet, noch deutlich steigerbar. Wellen- und Gezeitenkraftwerken werden zum Teil erprobt, zum Teil auch schon wirtschaftlich betrieben.
Weitere Informationen finden Sie bei der Agentur für Erneuerbare Energien, beim Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke sowie bei der Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Deutschland.