Förderung regenerativer Energien in
Deutschland –
Kosten und Nutzen
im Vergleich (Kurzfassung)

Der Ausbau der regenerativen Stromgewinnung wird teilweise kritisiert, da er „zu teuer“ sei. Der folgende Text zeigt auf, warum diese Aussage bei einer genaueren Betrachtung nicht haltbar ist.

kurz- und mittelfristige Betrachtungsweise:
Die Gestehungskosten [1] von regenerativem Strom sind derzeit höher als die von konventionellem Strom. Die Kosten für Strom aus regenerativen Quellen verringern sich jedoch laufend. So ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschrieben, dass die Vergütungen für regenerativen Strom jedes Jahr abgesenkt werden. Zudem wurden in den letzen Jahren verschiedene außerordentliche Sonderkürzungen im kostenintensiven Photovoltaikbereich vorgenommen. Auf diese Weise wurde die Photovoltaikvergütung allein zwischen Ende 2009 und Anfang 2011 um rund ein Drittel reduziert.
Somit werden die Kosten für die Förderung regenerativer Energien langfristig immer weiter abnehmen. Wie Studien aufzeigen, wird die EEG-Umlage [2] in den kommenden Jahren zunächst noch ein vorübergehendes Hoch erreichen (da die Absenkung der Vergütungen vorübergehend von der Dynamik des Zubaus regenerativer Energien übertroffen wird). Danach wird die Umlage jedoch kontinuierlich absinken. Laut Prognose des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und des Fraunhofer Instituts [3] wird sie 2030 nur noch 0,5 Cent je Kilowattstunde betragen (2012: 3,592 Cent).

Darüber hinaus reduziert regenerativer Strom den Börsenstrompreis und senkt damit die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten der Stromerzeugung: Bestehende Erneuerbare-Energien-Anlagen können Strom nahezu kostenlos produzieren; ihre Grenzkosten tendieren somit gegen Null. Erhalten diese Anlagen eine EEG-Vergütung, so muss ihr Strom nach Maßgaben der Ausgleichsmechanismusverordnung an der Strombörse verkauft werden. Dort „verdrängt“ der kostengünstige, regenerative Strom anderen, teureren Strom aus konventioneller Erzeugung. Hierdurch sinkt der Börsenstrompreis und damit auch die Strombeschaffungskosten der Stromhändler. Dies wird als Merit-Order-Effekt bezeichnet. (In Zahlen: Der Merit-Order-Effekt beträgt Schätzungen zufolge zwischen 1,07 und 4,98 Milliarden Euro pro Jahr; die EEG Kosten (EEG-Differenzkosten) lagen demgegenüber 2007 bei 4,3 Milliarden und 2010 bei schätzungsweise neun Milliarden Euro).

Langfristige Betrachtungsweise:
Die bislang angestellte Betrachtungsweise, welche nur auf den Strompreis selbst abstellt, ignoriert viele „versteckte Kosten“ der konventionellen Stromproduktion und vernachlässigt gleichzeitig viele „versteckte Nutzen“ der regenerativen Stromerzeugung. Würden diese sogenannten externen Effekte in die Strompreise eingerechnet, so wäre regenerativer Strom bereits heute konkurrenzfähig.

Zu den negativen Externalitäten konventioneller Stromerzeugung gehört u.a. der Klimawandel, welcher durch den menschlichen CO2 Ausstoß verursacht wird. Die langfristigen Folgekosten des Klimawandels sind enorm. Sie werden die Ausgaben für die Förderung regenerativer Energien bei weitem übersteigen. Durch den Ausbau erneuerbarer Energien kann die Gesellschaft also langfristig Geld sparen.
Weitere versteckte Kosten der konventionellen Stromproduktion entstehen im Rahmen staatlicher Subventionen (staatliche Atomförderung zwischen 1950 und 2010: 194,9 Milliarden Euro; staatliche Steinkohleförderung allein zwischen 1997 und 2006: 34,8 Milliarden Euro). Diese Förderungen werden von der Allgemeinheit „indirekt“ über Steuern finanziert. Daher fallen sie weniger auf als die Förderung regenerativer Energien, welche direkt über den Strompreis erhoben und öffentlich ausgewiesen wird.

Demgegenüber sind mit der Stromerzeugung aus regenerativen Energien verschiedene positive Externalitäten verbunden:
Der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien wirkt dem Klimawandel entgegen. In der Folge lassen sich die Kosten der Anpassung an zukünftig veränderte Klimabedingungen reduzieren.
Zudem kurbeln die Firmen im Erneuerbare-Energien-Sektor die Wertschöpfung in Deutschland an (Schaffung von Arbeitsplätzen, Lohnzahlungen, Unternehmensgewinne, Steueraufkommen).
Weitere Nutzen der regenerativen Energiegewinnung sind: die Verringerung von Luftschadstoffen, die Minderung der Importabhängigkeit bei Brennstoffen, die Schonung endlicher natürlicher Ressourcen, die Verringerung geopolitischer Auseinandersetzungen um fossile Energieträger, die Reduktion des atomaren Unfallrisikos sowie die Entschärfung der bislang ungeklärten atomaren Endlagerfrage. Viele dieser Punkte führen zu gesamtgesellschaftlichen Kosteneinsparungen.

Langfristig wird Strom aus regenerativen Quellen aber auch schlichtweg günstiger sein als konventionell erzeugter Strom. Stromerzeugung auf Basis fossiler oder atomarer Brennstoffe wird in Zukunft zunehmend teurer werden (auf Grund der Verknappung der Rohstoffe, der gleichzeitig weltweit steigenden Brennstoffnachfrage sowie den steigenden Ausgaben für CO2 Zertifikate). Demgegenüber wird die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen immer günstiger (da die technische Weiterentwicklung der Anlagen deren Effizienz steigert und zudem die Stückkosten in der Anlagenherstellung auf Grund steigender Produktionszahlen gesenkt werden können). Laut einer Studie des Fraunhofer Institutes [3] werden Wind- und Solarstrom zwischen 2020 und 2030 die gleichen Gestehungskosten erreichen wie konventionell erzeugter Strom. Nach 2030 werden die Gestehungskosten von regenerativem Strom weiter sinken, während sich die konventionelle Stromproduktion weiter verteuert.

Neben den bislang diskutierten ökonomischen Aspekten gilt es bei der Frage nach der zukünftigen Gestaltung der Energieversorgung auch ethische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Ein verantwortungsbewusstes Handeln setzt dabei voraus, dass wir für unsere Mitgeschöpfe und für nachfolgende Generationen einen intakten und lebenswerten Planeten erhalten. Die Abkehr von der fossil-atomaren Energiegewinnung und die Etablierung eines nachhaltigen Energiesystems ist hierbei ein wichtiger Schritt.

 

 

 

[1] Die Produktionskosten für Strom werden als Gestehungskosten bezeichnet. Sie werden in Cent je Kilowattstunde angegeben. Die Gestehungskosten setzen sich zusammen aus den Investitionsausgaben (insbesondere für Kauf und Errichtung der Energieerzeugungsanlage), den Kosten für Planung, Betrieb und Entsorgung der Anlage und den Brennstoffkosten. Im Fall von Regenerativen-Energie-Anlagen fallen hauptsächlich Investitionsausgaben an.

[2] Die EEG-Umlage verteilt die Kosten der Förderung regenerativer Energien auf alle nicht-privilegierten Stromverbraucher. Sie wird gleichmäßig auf jede konsumierte Kilowattstunde Strom aufgerechnet und über den normalen Strompreis erhoben.

[3] Wenzel & Nitsch (2010): Entwicklung der EEG-Vergütungen, EEG-Differenzkosten und der EEG–Umlage bis zum Jahr 2030 auf Basis eines aktualisierten EEG-Ausbaupfades

[4] Fraunhofer ISE (2010): Studie Stromgestehungskosten erneuerbare Energien